Wenn auf der Theresienwiese in München der Bürgermeister das erste Fass anzapft, könnte er neben „O’zapft is!“ auch direkt noch irgendwas mit Basketball rufen, schließlich steht rund um das Oktoberfest immer auch der Saisonstart der Bayern ins Haus. Und wer würde schon etwas Böses dabei denken, dass rund um die Wiesn eine Menge Bayern-Heimspiele gelegt werden. Gut, zum Saisonbeginn muss bestimmt der ein oder andere Mitarbeiter der Ligen mal schauen, ob auch alles so läuft, wie es soll, aber das ist Zufall, dass da auch dieses Oktoberfest stattfindet… ja, so muss das sein.
Für den Pokalsieger und den Meister waren die Ausflüge an die Isar jedenfalls nur dann ein Spaß, wenn die Bamberger und Berliner danach noch eine Runde Kettenkarussell oder Olympia-Achterbahn gefahren sind. Die Franken kassierten eine 36-Punkte-Klatsche, die Albatrosse eine Woche später eine mit 34 Zählern. Dazwischen eben noch mit Hapoel Tel Aviv auswärts ein Euroleague-Topteam besiegt, und mit Partizan und Bologna zwei machbare Aufgaben vor der Brust. Alles tutti also, oder?
Immer mit der Ruhe: Zum einen gab es ja auch noch eine deutliche Niederlage in Istanbul (aua!), zum anderen gibt’s ja auch bei so einem Saisonstart noch das ein oder andere zu tun. Andi Obst zum Beispiel, seines Zeichens BBL-MVP: Steht nur bei 2/9 Dreiern in der Bundesliga! Gut, in der Euroleague steht er bei 5/9, also doch kein größerer Grund zur Sorge. Offenbar hat der freie Sommer nicht dazu geführt, dass der Typ, der in den letzten Jahren auch noch die größten Zirkuswürfe mit ebenso großer Sicherheit in größtem Volumen reingeballert hat, nicht mehr weiß, wie man Dreier trifft.
Also, was gibt’s zu tun? Ruhe bewahren, erstmal zuschauen und Vertrauen haben. Der neue Coach Anton Gavel hat in den ersten BBL-Spielen den breiten Kader auch genutzt: 15 Spieler stehen da drin, 15 haben gespielt, keiner weniger als 10:28 Minuten, keiner mehr als 20:52 Minuten. In der Euroleague sieht’s ähnlich aus. Die Findungsphase läuft, und damit aus den einzelnen Teilen ein großes Ganzes wird, wird im Hintergrund zwischen Wiesn, Media Days und Auswärtsreisen fleißig gewerkelt.
Was daraus wird? Sieht man erst langsam. Die beiden BBL-Spiele, vielleicht kein Muster ohne Wert, aber auch noch nicht die großen Offenbarungen, die einen Blick in die Glaskugel erlauben. In einer Saison mit mindestens 69 Spielen wird selten nach zehn Tagen entschieden, wie’s am Ende ausgeht. Stattdessen werden die Teile vorsichtig eingepasst, bis der Motor wirklich schnurrt und jeder seinen Beitrag leistet: Justus Hollatz legt in der BBL bislang 3,5 Punkte, 3,0 Rebounds, 2,0 Assists und 1,0 Steals auf, startet aber auch beide Spiele und hat bislang die viertmeisten Minuten gespielt. Wird seinen Grund haben.
Und auch wenn die Bayern in der BBL natürlich der Topfavorit sind, wird am Ende nicht jedes Spiel mit um die 35 Punkte Differenz gewonnen werden. In der Euroleague ist die Lage sowieso eine andere: Underdog ist man, der trotz großen Etats nach Steuern, Berufsgenossenschaft, Kosten für das Backoffice und was da noch so alles dazu kommt, lange nicht so viel Geld für die Mannschaft ausgeben kann, wie die Schwergewichte aus Madrid, Athen und Istanbul.
Muss nicht das Schlechteste sein. Klar, Favorit sein wäre auch schön, aber der Absturz von Monaco aus den Euroleague-Playoffs im Frühling bis in den Amateurbasketball im Herbst zeigt, dass ordentliches Wirtschaften was für sich hat. Vielleicht macht es nicht immer so viel Spaß. Aber für exzessiven Spaß gibt’s in München ja auch immer noch das Oktoberfest.


